Walter Goelkel
Erfinder des Schattenplanetariums
1896 - 1997 *Stuttgart
Naturwissenschaftler und Pädagoge
1938 - 1941 entwickelte Walter Gölkel das erste Schatten-Planetarium.
Als Sohn des Flaschnermeisters August Gölkel in Stuttgart war er handwerklich geschult und konnte in der Werkstatt des Vaters den ersten Prototyp selbst realisieren.
Nach Testvorführungen im eigenen Hause setzte Walter Gölkel diesen Prototyp
ab 1940 ausschließlich für den Schulunterricht am Schiller-Gymnasium in Heidenheim, wo er als Lehrer für Biologie, Chemie und Erdkunde tätig war, ein. 
Die Idee das Planetarium zum Patent anzumelden und zur Produktion als Unterrichtsmittel anzubieten entstand. Unter Mitwirkung eines befreundeten Mechanikers und Uhrmachers in Herbrechtingen verbesserte Walter Gölkel den Prototyp: Dieser ist schön, mechanisch perfekt, handlich und bedienerfreundlich, praktisch und sicher verpackt und mobil einsetzbar. 
An serielle Produktion war dennoch nicht zu denken, da zeitaufwendige und fachkundige Lötarbeit notwendig blieb.

Später als Schulleiter nutzte Walter Gölkel den Erweiterungsbau des Schiller-Gymnasiums um einen Raum zur Vorführung des Schattenplanetariums für den himmelskundlichen Unterricht einzurichten. Er ließ die Raumecken abrunden und die Verdunkelung verbessern. So entstand das erste Schulplanetarium.

Siegfried Holder, Apparatebauer in Böhringen, Kreis Reutlingen, bemühte sich in den 70er Jahren das Gölkelsche Modell als mechanischen und zudem als elektrisch angetriebenen Apparat für den Schulbedarf anzubieten. Die Gitterkugel ersetzte er durch einen Glasballon mit aufgezeichneten Sternbildern.
Modell-Beschreibung
Naturwissenschaftliches Studium, langjährige Beobachtungen und Erfahrung im himmelskundlichen Unterricht führten Walter Gölkel zur Entwicklung des Schattenplanetariums. Sein pädagogisches Anliegen war es, den Schülern komplexe naturwissenschaftliche Vorgänge anschaulich zu machen. Deshalb entwarf er sein einfaches Planetarium für den Erdkundeunterricht, aber zum Beispiel auch leicht nachbaubare Funktionsmodelle von Pflanzen und Tieren aus Pappe für Biologie.

Das Verständnis der Bewegungen von Sonne und Planeten, wie sie von der Erde aus zu beobachten sind, ist seit jeher auch von großer praktischer Bedeutung (Jahreszeiten, Klima, Kalender, Ortung) und hat in unserer Zeit durch die Raumfahrt an Bedeutung gewonnen. Im Gegensatz zu den `Tellurien´ ist das Schattenplanetarium von Gölkel geozentrisch gebaut wie das berühmt gewordene Zeiss-Planetarium. Es zeigt also die sogenannten scheinbaren Bewegungen der Himmelskörper, wie sie der Beschauer von der Erdoberfläche aus tatsächlich sieht. Das Gölkel-Planetarium veranschaulicht diese Bewegungsvorgänge in räumlicher Schattenprojektion, die in jedem abgedunkelten Raum vorgeführt werden kann. Die Bewegungen des Sternenhimmels, der Sonne und eines inneren Planeten (Venus,Merkur) sind dabei so gekoppelt, dass sie durch Drehung einer einzigen Kurbel im Verhältnis zueinander naturgemäß ablaufen. So können die scheinbare tägliche Drehung des Himmelsgewölbes, die scheinbar tägliche Bewegung der Sonne, deren scheinbarer Verlauf der Tag- und Nachtbögen von verschiedenen Breitengraden der Erde aus gesehen, die scheinbar jährliche Verschiebung des Sternenhimmels, deren Sternbilder und Planeten im Zeitlimit veranschaulicht werden.

Das Gehäuse trägt eine Gradnetzkugel aus Draht, an der die wichtigsten Sternbilder zur Erzeugung des Schatten-Fixsternhimmels befestigt sind. Im Mittelpunkt der Kugel ist zum Anschluss an die Lichtleitung eine elektrische Punktlampe zur räumlichen Projektion. Mit der Kurbel am Gehäuse kann die Drahtnetzkugel um die Himmelsachse gedreht werden. Gleichzeitig dreht sich der Schattenwerfer der Sonne im Innern der Kugel im Sinne der jährlichen scheinbaren Bewegung der Sonne längs der Ekliptik. Damit ist auch die Bewegung des Schattenwerfers eines inneren Planeten (Merkur, Venus) gekoppelt. Die Kugel kann um eine horizontale Achse (O-W-Achse) geschwenkt werden zur Einstellung der Polhöhen zwischen 0 und 90 Grad. Das Gehäuse ist zugleich Schattenwerfer des Horizontes, an dem die Gestirne auf- und untergehen.